Ich war nicht dabei.

Ich erlebe meinen neuen Lebensabschnitt irgendwie nur so nebenher. Er passiert, aber mir ist, als wäre ich nicht wirklich dabei. Ich schlafe, esse und dusche in meiner neuen Bude, aber so wirklich dabei bin ich nicht. Schwer das zu beschreiben ohne dabei übermäßig depressiv zu wirken (denn in diesem Fall trifft das nicht zu). Das Leben rauscht einfach an einem vorbei und obwohl ich alles leibhaftig erlebe, erlebe ich es nicht wirklich in diesem Bewusstsein, welches es möglich macht, den Augenblick als solchen zu genießen. „Zeit vergeht so schnell“, haben sie immer gesagt und inzwischen weiß ich wohl wovon die Welt spricht, denn ja: jeder Tag vergeht als wäre er auf der Flucht gewesen. In den letzten Monaten wird dieses Empfinden immer heftiger: ich erlebe einfach nichts mehr wirklich bewusst, obwohl ich es versuche. Alles zieht an einem vorbei und nur die Erinnerung lässt erahnen, dass man wohl wirklich dabei war. Ich nehme an, dass das der ein oder andere Mensch auf dieser Welt nachvollziehen kann (oder vielleicht hoffe ich das auch nur, wer weiß). Es ist wirklich seltsam. Ich meine, ich lebe (sagt der Herzschlag und auch sonst scheint alles halbwegs durchblutet – Füße und Hände ausgenommen), aber ich kriege nicht viel davon mit. Leben kommt mir fast mechanisch vor & jeder Versuch dies zu ändern kommt mir dennoch so vor, als wäre ich bei der Unternehmung nicht dabei. Hm. Nun ist schon wieder Herbst und mein Geburtstag naht. Fast wieder ein Jahr vorbei und ich war nicht dabei…

Abstinenz

So, hier bin ich wieder. Zumindest bin ich in meiner Inkonsequenz sehr konsequent.

Wo fange ich an? Am Besten damit, dass ich mich tatsächlich getrennt habe (in irgendeinem unbedeutenden Blogeintrag, habe ich mich ja zu meiner emotionalen Abhängigkeit bekannt). Ich habe mich jedoch tatsächlich getrennt. Ja, ich feiere mich dafür schon ein bisschen, denn für meine Verhältnisse ist das echt eine Meisterleistung. Das heißt zwar nicht, dass es mir beneidenswert gut gehen würde, aber es heißt, dass ich es geschafft habe ohne die letzten Monate im Bett verbracht zu haben – also nicht ausschließlich im Bett.

Was soll ich sagen? Nun ziehe ich auch noch um und sitze in Mitten meiner leeren und doch schon mit Kartons vollgestellten Bude auf dem Boden und schreibe ins Netz, dass ich genau das eben tue: rumsitzen. Vielleicht sagt das aber auch etwas über mein Stresslevel aus und meine Apathie, auch noch irgendwas anderes hinzukriegen, als auf dem kalten Boden herum zu sitzen. Naja, ganz so schlimm ist es nicht (oder so).

Joa, und sonst so?! Ich fühle mich immernoch viel zu weich für das Leben (und ja, ich bin noch immer so pathetisch). Ich merke schon, dass wird wieder einer dieser Beiträge, bei denen keinerlei Inhalt vermittelt wird. Darin bin ich gut, das kann ich!

Das war’s auch erstmal mit Lebenszeichen für den Moment.

Vielleicht kommt ja schon bald der Nächste helle Moment… wollen wir es (nicht) hoffen … 🙂

Emotionale Abhängigkeit.

Solange wir nicht miteinander reden müssen, passen wir gut zueinander. Beim kuscheln auf dem Sofa beispielsweise, da denke ich, DU bist es. Wenn aber der Ernst des Lebens zu Besuch ist und ich Dir von mir und überhaupt vom Leben erzähle und Du eigentlich nichts davon verstehst oder alles komplett anders siehst, dann fühle ich so heftig, dass Du es nicht sein kannst. Du bist es einfach nicht, egal wie sehr ich bei Dir sein will. Und hey, die Erkenntnis ist so unfassbar wichtig, denn sie ist die Chance etwas zu verändern, glücklicher zu werden; den Menschen zu finden, der zu mir passt und zu dem ich passe. Aber ich schaffe es nicht zu gehen ohne dabei jedwede Hoffnung zu verlieren. Ich kann Dich nicht loslassen, obwohl ich mich dafür loslasse. Ich kann es nicht, weil ich weiß wie nah der Abgrund ist. Wie sinnlos mir danach alles vorkommen wird. Wie sehr mich das innerlich umwirft.

Emotionale Abhängigkeit wie aus dem Bilderbuch… ich wünschte mir manchmal weniger Selbstreflexion. Ich will nicht an meinem Leben Schuld sein, denn um die Schuld zu wissen ohne sich in der Lage zu fühlen, etwas ändern zu können, das macht mich täglich zu einem Feigling erster Klasse. Zu der Schuldigsten auf Lebenszeit.

Paukenschlag.

Hallo Mitmensch,

nachdem ich die letzten Tage wieder einen Krug schwarze Tinte in mein Gehirn geschüttet habe, dachte ich, ich könnte es wieder als Seelenmatsch in meinen Blog rotzen und hoffen, dass sich dadurch irgendwas verändere. In Wirklichkeit verändert sich nichts, außer das ich mich für einen kurzen Moment aus der schwarzen Sud erhebe, um sie von außen – als ob das irgendwie ginge – zu beschreiben. Dann sende ich den Mist ab und setze mich nieder in das triefend schwarze Zeug und bade in meinen Sinnlosigkeitsgefühlen. Manchmal sagt man dazu auch „jammern“. An etwas klareren Tagen (juhey, heute meine ich einen solchen zu erleben), da kann ich mich dafür überhaupt nicht leiden. Also, ich meine, in einer depressiven Phase ist das mit dem „Ich finde mich dufte“ ja eh schwierig, aber diese Art des „nicht mögens“ meine ich gar nicht. Es ist eher ein: „Alter, raff Dich einfach mal, Kind! Du hast alle Gliedmaßen dran, eine super Familie und eigentlich einen guten Job!“. Und heute hat das einen positiven Effekt, denn ich fühle mich fast sowas wie motiviert (ja, ich übertreibe maßlos) und denke still bei mir, dass ich es vielleicht doch schaffen kann, wieder diesen Schatten zu bezwingen. Ich möchte nicht überschwenglich werden, denn dann müsste ich mir eventuell morgen oder gar heute Abend wieder eingestehen, dass ich eben doch nur ein Jammerlappen im Selbstbetrüger-Modus bin. Das wäre irgendwie schade und noch ein Grund mehr, um zu jammern. Was ich eigentlich sagen will: heute finde ich neben schwarzer Sud, auch ein etwas anderes Gefühl vor und das ist absolut tödlich für eine Depression: es ist ein Funken Hoffnung.
Nur ein Funken, aber hey, es funkt noch!

Abschrieb.

Es einfach von der Seele schreiben. Nur, was ist dieses „es“? Mir ist, als gebe es da einen Teil in meinem Gehirn, dem es unbedingt nicht gut gehen will. Dem es immer schlecht gehen wird, egal was ich dagegen auch tue. Ja, ich bleibe oft liegen und ja, manchmal bin ich untätig und liefere mich selbst aus. Aber, es gibt so viele Tage an denen ich es nicht tue. An denen ich aufstehe und so tun will, als wäre diese Seite nicht in mir, als hätte sie keine Stimme und als gebe es sowas wie „fehlende Lebensfreude“ nicht. Ich reiße mich zusammen – also fast, bis auf eben dieser eine Teil in mir, der sich nicht zusammenreißt, sondern gerne zerreißt.
Ich rufe wieder beim Arzt an, ein neuer Termin. Neue Kampfansage. Neuer Versuch am Leben teilzunehmen ohne dass es mich anstrengt. Ich bin voll integriert für meine Mitmenschen, nur ich, ich oder es fühlt sich oft nicht integriert. Nicht zugehörig. Einsam.
Es sich einfach von der Seele schreiben ist wohl nicht ganz so einfach. Und dieses „Depressionen können geheilt werden“-Ding auch wohl nicht. Aber hey, kein Arzt, keine Broschüre hat dazu jemals ein Zeitfenster angegeben. Ob mich das beruhigt? Ich weiß es nicht… nein, eigentlich ganz und gar nicht.
Aber hey, morgen fange ich einfach wieder neu an. Immer und immer wieder. Und vielleicht schreibt sich es dann doch irgendwann einfach von selbst ab…

Bereicherung

Vielleicht wird es Zeit sich von Menschen zu trennen, denen ich keine Bereicherung mehr sein kann. Ich glaube, dass Beziehungen jeglicher Art davon leben, dass man das Gefühl hat, einen bestimmten Wert zu haben und diesen auch in das Leben eines anderen Menschen bringen zu können. Wenn ich für Menschen, die mir viel bedeuten nichts weiter sein kann, als da oder nicht da, dann ist es wohl besser nicht mehr da zu sein. Für den Menschen und vor allem für die eigene Seele, die schutzlos der Bedeutungslosigkeit ausgesetzt wird. Ich weiß um die hauchdünnen Fäden meiner Seele, die so leicht in sich zusammenfallen, sobald Zweifel im Raum sind. Und zweifellos entzieht es mir den Sauerstoff, wenn ich so viel mehr für jemanden sein möchte, als ich es letztlich sein kann. Ich möchte nicht mehr nur da sein. Ich möchte keinen Tribünenplatz mehr. Keine großen Reden. Ich möchte unverrückbarer  Bestandteil des Lebens, der Zukunft, der Gemeinsamkeiten sein. Nichts mehr dazwischen. Nicht in diesem Luftraum aus Worten und Vergessenheit schweben. Ich will meinen Wert nicht erfragen müssen, sondern ich will ihn erkannt wissen.
Und ich schätze, ich war niemals so wertschätzend mit mir, als ich es in diesem Moment bin. Wen ich nicht mit voller Liebe und warmen Herzens erfüllen kann, durch den werde ich niemals erfüllt sein. Wege enden unerwartet, wenn wir den Hinweis ‚Sackgasse‘ übersehen.
Dann bleibt uns Schmerz. Und vielleicht kommt dann irgendwann wieder Hoffnung und eine Linkskurve ins Glück.

Reizüberflutung.

Zu viele Reize zertrümmern mein Gehirn. Geräuschkulissen, Duftwolken und wuselnde Bilder vor der Linse sind der Motor meiner Migräneanfälle, denen ich wie ein kleines Mädchen ausgeliefert bin.
Die letzten Tage haben mich so dermaßen ausgesaugt, dass ich meine Autofahrt – nach der Arbeit – nur mit großen Krokodilstränen leisten konnte. Pure Verzweiflung.
Wie soll ein Leben funktionieren, wenn es einen so dermaßen intensiv durchflutet, dass einem die Leere ins Gehirn gebrannt wird, während es im gleichen Moment überläuft. ‚Paradox‘ klingt zu einfach für das, was ich an solchen Tagen empfinde und nicht empfinde.
Wenn der eigene Körper ständig auf die Vollbremse steigt, während man gerade den Sprint seines Lebens starten wollte, dann ist das nicht nur doof, sondern es macht einen vollkommen hilflos.
Wie ein Häufchen Elend betrachtet man sich selbst, wohl wissentlich, dass einem keine einzige Chance bleibt, dieses Leben in dieser Intensität gut zu überstehen. Zu viel von allem und im gleichen zu wenig von allem. Zu wenig Teilhabe, bei zu viel Teilhabe. Zu wenig einzigartige Reize, bei zu vielen auf mich einströmenden Impulsen. Zu wenig Pause, bei zu viel Zwangspause. Zu viele Worte für so viel Unerklärbarkeit.

Herzmann.

Wir entwickeln uns. Zwischen dem ganzen Hin&Her und den Unsicherheiten, haben wir Wurzeln entwickelt. Etwas, das fest verankert den Boden unter sich greift, wenn wir wie Fahnen im Wind unüberlegt die Richtung wechseln.
Wir haben das Rosarot ausgeblasst und leben lieber kunterbunt und manchmal auch nur schwarz weiss. Wir sind ein bisschen anders. Nicht besser oder schlechter. Nur anders. Weil irgendwas zwischen uns nicht ganz romantisch ist, aber doch irgendwie wie Poesie. Wir sind nicht Bonny und Clyde. Und auch nicht wie Sekundenkleber unzertrennlich. Wir sind viel mehr als das. Und manchmal gar nichts. Das liebe ich an uns. Wir sind zusammen nicht perfekt. Kein Märchen oder Luftschloss. Wir sind zwei Herzen im Alltag. Im Stress und Trott. In Eile. Wir sind manchmal nachlässig und können nicht immer verstehen, was der andere zu sagen hat. Aber wir sind deshalb so groß. Weil wir zwischen allen Turbulenzen immer wieder Arm in Arm liegen und ganz genau wissen, warum es genau hier der beste Ort für uns ist. Und warum es unfassbar nach Poesie schmeckt, wenn Augenringe und Stoppelbart zusammen sind und sich –  des Tages müde – nichts weiter zu sagen haben. Ich liebe Dich in meinem Alltag. Und ich liebe, dass Du inzwischen so sehr Alltag bist, dass ich mich verzottelt in Deinen 7-Tage-Bart vergraben kann ohne größer sein zu müssen, als ich es bin. Danke, Herzensmann

Suchende.

Ich wünschte, ich hätte mich irgendwo zwischen Grashalm und Bordstein in dieses Leben verliebt. In die lachenden Gesichter und in die Wärmeflasche bei Bauchweh. In den Sonnenbrand nach heißen Sommertagen und den Schneeengel bei Minus 5 Grad.
Ich wünschte, ich wäre verliebt in den Herzschlag und den Atem des Lebens. In das Aufwachen nach schönen Abenden und in das ‚Ich in Deinem Arm‘- Gefühl. In den Feierabend nach langen Arbeitstagen und kalten Kaba unter wärmer Kuscheldecke. Ich wünschte ich wäre ein bisschen rosarot verliebt in diese Welt. In die schönen Graffiti-Schriften mit Liebesbekundungen unter alten Brücken und in die weisen Sprüche auf den Postkarten am Kiosk an der Ecke. In den Nachbarshund der sich riesig  zur Begrüßung freut und in das alte Ehepaar, das sich immernoch sanft über die Wangen streichelt.
Ich wünschte, ich hätte mich irgendwann so unglaublich sehr in diese Dinge verliebt, dass die Frage nach dem Sinn unbedeutend wäre. Vergessen. Aber ich bin nicht blind verliebt:  ich bin ein blinder Passagier auf der Suche nach irgendwas oder irgendwem.

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten